Aus der Sicht des Apothekers Günther Loges war seine Entscheidung von Herne nach Reckenfeld umzuziehen und in Reckenfeld eine Apotheke aufzumachen, wie folgt zustande gekommen:
Der Schwiegervater von Günther Loges (Direktor bei einer Bank in Herne) hatte in einer Zeitung die Anzeige von Heinrich Brinkmeyer - Besitzer vom Deutschen Haus und dieses Ladenlokals in Reckenfeld -, gelesen: "[...] in Reckenfeld wird für ein Ladenlokal ein Apotheker gesucht."
Loges war zu dieser Zeit Angestellter bei einer Apotheke in Herne.
Aufgrund dieser Anzeige sind im November 1958 Günther und Marlis Loges nach Reckenfeld gefahren und haben sich den Ort als auch die Lage des Hauses angesehen. Ihr Entschluß: Wir ziehen nicht nach Reckenfeld!
Aufgrund seiner Absage haben Lothar Fabian, Pfarrer Friedrich Esch und Pastor Wilhelm Müller erneut versucht, Loges zu bewegen, nach Reckenfeld zu kommen.
Daraufhin fuhren Günther und Marlis Loges erneut nach Reckenfeld. Fabian und Esch wirkten auf ihn ein. Pfarrer Müller war krank, dennoch fuhren die Drei zu ihm und alle kamen zu dem Ergebnis: Sie müssen es machen! Und dann sagten beide "Loges": Ja!
Am 14. April 1959 eröffnete Günther Loges die erste Apotheke in Reckenfeld.
Günther Loges am 6. August 2005: "[...] Zu Beginn hatten wir es sehr schwer, da die Reckenfelder/innen es gewohnt waren, ihre Medikamente in ihren Arbeitsorten (Greven, Münster, Emsdetten) beziehen zu können. Erst durch die Mitwirkung von Pfarrer Esch und Pastor Müller haben die Reckenfelder sich umgestellt. Und ab da lief es."
Günther Loges engagierte sich für Reckenfelder Belange:
Beim Reckenfelder Blasorchester war er als 1. Vorsitzender von 1991 bis 2002?
Im Männergesangverein Liedertafel war er als Sänger tätig
Prinz Karneval bei der Ka-Ki-V
Tennisspieler beim Club GW Reckenfeld
Mitglied im Aufsichtsrat der Volksbank Emsdetten 1971-1982
Zur Vorgeschichte der Apotheken in Reckenfeld, folgt nun ein Beitrag von Hans Dieter Bez (Heimatverein Greven) aus dem Jahr 1990; ein Auszug aus "Geschichte der Apotheken in Greven":
In der Gemeinde Greven links der Ems gab es bis nach dem Zweiten Weltkriege keine Apotheke. Das wurde besonders im Wohnbereich Reckenfeld als außerordentlicher Nachteil empfunden, mußte man doch, um die benötigten Arzneimittel zu erhalten, entweder nach Emsdetten oder bis ins entferntere Greven laufen oder fahren. Eine Busverbindung gab es nicht, und ein eigenes Auto oder Motorrad besaßen damals nur wenige. Und deshalb empfanden sehr viele Menschen den Weg zur Apotheke als äußerst beschwerlich.
In der Sitzung der Gemeindevertretung am 6. Februar 1950 stand die Besprechung dieser für alle Gemeindemitglieder auf die Dauer unerträglichen Situation auf der Tagesordnung. Das Protokoll dieser Sitzung zeigt den Weg aus dieser Situation heraus auf, wie man ihn sich als Ergebnis, der Diskussion in der Gemeindevertretung vorstellte:
"In Reckenfeld ist keine Apotheke. Die Bevölkerung ist daher auf die Apotheken in Greven und Emsdetten angewiesen. Die Drogerie Heinrich Schweitzer in Reckenfeld ist bereit, die Aufgabe der von den beiden Apotheken in Greven angefertigten Rezepturen und gelieferten Arzneimittel zu übernehmen. Der Gemeinderat würde es begrüssen, wenn es zu einer Einigung zwischen dem Drogerie-Inhaber Schweitzer und beiden Apotheken-Inhabern in Greven kommen, würde. Der Bevölkerung blieben dann die weiten Wege nach Greven erspart. Eine Verteuerung darf hierdurch für die Reckenfelder Bevölkerung jedoch nicht eintreten."
Ein Schreiben in diesem Sinne schickte die Amtsverwaltung Greven an die beiden Grevener Apotheker Wilhelm Etzbach und Heinrich Sprakel. Beide Apotheker lehnten ihre Mitwirkung in der von der Gemeindevertretung der Gemeinde Greven links der Ems vorgeschlagenen Weise ab. In einer gemeinsamen Stellungnahme dazu schrieben sie der Amtsverwaltung am 20. Juli 1950 u.a.: "[...] daß die Einrichtung einer solchen Ausgabestelle mit Botendienst für die Apotheken unwirtschaftlich und daher im Augenblick nicht tragbar ist. Es ist uns auch bekannt, daß ein Teil der Reckenfelder Einwohner ihre Medikamente in Emsdetten holt, und es ist deshalb zu erwarten, daß die Emsdettener Apotheker sich mit Erfolg gegen die erstrebte Einrichtung als Einbruch in ihre Interessen wehren würden. Es ist den .Apothekern nämlich nur mit Genehmigung der Apothekerkammer gestattet, Rezeptsammelstellen oder Ausgabestellen einzurichten und auch dann nur unter bestimmten Voraussetzungen."
Am 2. November wurde die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung links der Eins in der zuständigen Gemeindevertretung erneut besprochen. Das Antwortschreiben der beiden Apo-theker wurde verlesen und schließlich festgestellt "Wegen der geschilderten Schwierigkeiten, die der Einrichtung (einer Sammelstelle] entgegenstehen, verzichtet der Rat einstweilen auf eine Weiterverfolgung der Angelegenheit. Nachdem die Autobuslinie Greven - Reckenfeld eingerichtet ist, ist in der Beschaffung der Arzneimittel für die Reckenfelder Bevölkerung eine wesentliche Erleichterung eingetreten."
Aus der Sicht des seit dem Dezember 1978 monatlich erscheinenden Informationsblattes "Reckenfelder Bote" sah das alles etwas anders aus. In der Novemberausgabe des Jahres 1983 kann man unter der Rubrik "Wußten Sie schon, daß?" lesen, daß im Jahre 1958 "die Niederlassung einer Apotheke in Reckenfeld durch einen ‚Rezeptschnelldienst' Grevener und Emsdettener Apotheken unterbunden werden sollte. Die Forderung nach diesem Rezeptschnelldienst war wegen der langen Wege in die Nachbargemeinden immer wieder von Reckenfelder Bürgern und Politikern erhoben worden. Sie stieß aber bei den Grevener und Emsdettener Apothekern, die um ihre Monopolstellung wußten, auf taube Ohren. Erst als sie sich durch die Niederlassung einer Reckenfelder Apotheke in ihren Umsatzmöglichkeiten bedrängt sahen, erinnerten sich die Apotheker aus der Nachbarschaft des ‚Schnelldienstes'."
Wie es nun auch gewesen sein mag, trotz der Einrichtung der Autobuslinie in die Innenstadt wuchs bei der ständig steigenden Zahl der Reckenfelder Bevölkerung der Wunsch, auch im eigenen Ortsteil eine Apotheke zu haben. Am 14. April 1959 ging dieser über Jahrzehnte hinweg gehegte Wunsch endlich in Erfüllung. An diesem Tage eröffnete nämlich der aus Herne stammende Apotheker Günther Loges zusammen mit seiner Frau Marlis in Reckenfeld die "Hubertus-Apotheke".
Den Namen Hubertus hatte er ihr aus zwei Gründen gegeben: Zum einen deshalb, weil die Apotheke in Herne, in der er bis dahin gearbeitet hatte, diesen Namen trägt und zum anderen, weil er erfahren hatte, daß auch die Reckenfelder Schützenbruderschaft diesen Namen trägt; das schien ihm ein gutes Omen zu sein.
In einer Anzeige ließ er die Bevölkerung damals wissen, er übernehme die "Belieferung sämtlicher Rezepte aller Krankenkassen", außerdem den "Verkauf kosmetischer Artikel und Kindernährmittel", Günther Loges eröffnete seine Apotheke in einem Neubau an der Grevener Straße Nr. 17. In einem undatierten Zeitungsausschnitt ans jenen Tagen lesen wir dazu u.a.: "In dem repräsentativen Wohn- und Geschäftshaus neben dem Deutschen Haus. einem Schmuckstück im Ortsmittelpunkt, ist die Apotheke in großzügiger und übersichtlicher Raumgestaltung nach modernsten Gesichtspunkten eingerichtet wurden. Sie verfügt über alle Erfordernisse, die an eine Apotheke gestellt werden."
Die "Hubertus-Apotheke" befindet sich seit dem Juli 1968 im Hause Grevener Straße Nr. 5- Von hier aus versorgte Günther Loges die Reckenfelder Bevölkerung bis Ende Dezember 1986 mit Arzneimitteln. Seit dem 1. Januar 1987 hat diese Aufgabe der Apotheker Gerd Hagen übernommen.
Die "Hubertus-Apotheke" befindet sich seit dem Juli 1968 im Hause Grevener Straße Nr. 5- Von hier aus versorgte Günther Loges die Reckenfelder Bevölkerung bis Ende Dezember 1986 mit Arzneimitteln. Seit dem 1. Januar 1987 hat diese Aufgabe der Apotheker Gerd Hagen übernommen.
Am Tag der Eröffnung der ersten Apotheke in Reckenfeld.
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In diesem Haus war die erste Apotheke untergebracht. | |
Die Innenansicht mit Günther Loges. |
1975: Das Wohnhaus mit der Apotheke. |
Aus der Luft: Das Wohn- und Geschäftshaus. |
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